SVC Schweizerischer Verband dipl. Chemiker FH
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Chemiker - Ein Beruf für Vielseitige


Nach erfolgreichem Abschluss einer Lehre stellen viele Laboranten, Chemikanten oder auch Drogisten fest, dass für eine tiefere Auseinandersetzung mit der Materie und ein weitergehendes Verständnis für die Zusammenhänge in der Chemie, das bis dahin erlernte Wissen nicht genügt, und dass selbständiges Arbeiten nur bedingt möglich ist. Dazu ist in der Regel ein Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität erforderlich.
Die Dauer des Studiums, die Kombination von theoretischem Wissen und deren praktischer Anwendung sowie die guten Berufsaussichten - will man nicht gleich mit einem Doktorat in die Forschung - bilden gewichtige Argumente für ein Studium an einer Fachhochschule.
Beim grössten Teil der Arbeitsplätze kommt es in erster Linie auf die geistigen Fähigkeiten an. Gefragt sind gute Fachkenntnisse, ein hoher Praxisbezug, Initiative, Kreativität, Zuverlässigkeit und Beharrlichkeit, aber auch gute organisatorische Fähigkeiten. Schwere körperliche Belastungen bleiben eine grosse Ausnahme. Daneben werden oft noch eine Reihe weiterer Anforderungen gestellt. Die englische Sprache ist zumindest für das Studium der Fachliteratur unerlässlich. Informatikkenntnisse sind beispielsweise im Zusammenhang mit Prozessautomatisation und -steuerung sowie Datenbankrecherche und für einen richtigen Einsatz von Personal Computern in Labor und Betrieb von Bedeutung. Betriebswirtschaftliche Überlegungen beeinflussen in erheblichem Masse Entscheidungen und Handlungen in der Industrie. Chemiker, welche sich auch in diesen Bereichen auskennen, habe meist eine bessere Chance für einen Aufstieg. Dieses Wissen wird meist mit Grundlagen während dem Studium vermittelt, oder kann als Nachdiplomstudium angeeignet werden. Die meisten der heute berufstätigen Chemiker leiten ein kleineres oder grösseres Team. Für eine erfolgreiche Bewältigung dieser Führungsfunktion sind wiederum entsprechende Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen erforderlich.

Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld

So unterschiedlich wie die Einsatzgebiete des Chemikers sind auch die entsprechenden Arbeitsplätze bezüglich Umfeld, Kontakten und Ausrüstung. Der wichtigste Arbeitgeber für den Chemiker FH ist nach wie vor die chemische Industrie. Die meisten Arbeitsplätze befinden sich dabei innerhalb eines abgegrenzten Fabrikareals, über sie ist in der Öffentlichkeit meist nur wenig bekannt. Demgegenüber sind Tätigkeiten bei Behörden, Instituten und Schulen sowie in Marketing und Verkauf stärker nach aussen orientiert. Ein Grossteil ihrer Arbeitszeit verbringen die meisten Chemiker am Schreibtisch. Arbeits- und Materialplanung, das Lesen von Fachliteratur, das Verfassen von Berichten oder Protokollen oder das Auswerten von Arbeitserzeugnissen, meist unter Einsatz von EDV, bilden dabei, neben den praktischen Tätigkeiten im Labor, die Haupttätigkeiten. Daneben nehmen sie als Fachleute und Berater an Sitzungen teil.

Arbeitsplatz Labor

Chemiker, welche in Forschung, Anwendungstechnik, Analytik oder Qualitätssicherung tätig sind, stehen in der Regel einem oder mehreren Labors vor. Meist ist ihnen auch gut ausgebildetes Laborfachpersonal zugeteilt. Diesem Personenkreis erteilen sie Arbeitsaufträge, beraten und unterstützen ihn bei seinen meist anspruchsvollen Tätigkeiten und sorgen für eine aufgabengerechte Aus- und Weiterbildung.

Arbeitsplatz Pilot Plant

Chemiker im Bereich der Verfahrensentwicklung arbeiten meist mit grösseren und oft komplexen Anlagen in speziell dafür eingerichteten Räumen (sogenannten Pilot Plants). Für Aufbau und Betrieb solcher Anlagen sind zusätzliche, vertiefte Kenntnisse in Verfahrenstechnik, Apparatebau und Sicherheitstechnik erforderlich.

Arbeitsplatz Betrieb

Der in der Produktion/Fabrikation tätige Chemiker verbringt häufig einen grossen Teil seiner Arbeitszeit in der Produktionsanlage, für welche er zuständig ist. Aufgrund der vielfältigen und arbeitsintensiven Aufgaben sind ihm meist eine grössere Anzahl von Facharbeitern unterstellt. Dies und die Tatsache, dass Anordnungen bezüglich Vorgehen und Sicherheit strikte einzuhalten sind, erfordern von ihm in besonderem Mass Durchsetzungsvermögen und viel Geschick im Umgang mit anderen Menschen.

Andere Arbeitsplätze

Die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Umweltschutz und Sicherheit hat in den letzten Jahren als Folge der steigenden Anforderungen unserer Gesellschaft an den Schutz der Umwelt und an die Verminderung von Risiken stetig zugenommen. Die Hauptaufgaben in diesem Bereichen bilden normalerweise das Erarbeiten von Prüf- und Analysenmethoden, die Durchführung und Auswertung von Prüfungen, daneben aber auch Verhandlungen mit Behörden und Fachleuten von Produktion und Entwicklung. Dies erfordert neben besonderen Fachkenntnissen, z.B. in Biologie, fortschrittliches und kritisches Denken sowie Verhandlungsgeschick.

Der Chemiker in den Bereichen Marketing und Verkauf stellt die Verbindung des Unternehmens mit Kunden und Markt her. Oft bedeutet dies, dass er häufig auf kürzeren oder längeren Reisen im In- und Ausland ist. Eine hohe Bereitschaft für solche Reisen, gute Sprachkenntnisse, Flexibilität, Selbständigkeit und neben guten Fachkenntnissen auch Verhandlungsgeschick bilden deshalb wichtige Grundvoraussetzungen für diese Art von Tätigkeit.

Gesundheitliche Risiken

Die gesundheitlichen Risiken für den Chemiker in praktisch allen Einsatzgebieten sind wesentlich geringer als allgemein angenommen. Dies beweist der niedrige Anteil von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten in der chemischen Industrie. Die Gründe dafür liegen einerseits in den Kenntnissen der Beschäftigten über die Gefahren der verschiedenen Stoffe, mit welchen sie beruflich zu tun haben, andererseits in den - notfalls sehr umfangreichen - Schutz- und Sicherheitsmassnahmen. Zudem stehen in allen grösseren Betrieben Spezialisten für Sicherheitsfragen zur Verfügung.

Arbeitsbereich und Unternehmensgrösse

In einem chemischen Grossbetrieb ist der Spezialisierungsgrad des Chemikers FH ausgeprägter als in einem kleineren und mittleren Unternehmen. Seine Tätigkeit in einem KMU ist vielfältiger gestaltet, mit seinen breiten Grundkenntnissen ist er auch interdisziplinär einsetzbar. Der grösste Teil der Chemiker hat eine Führungsfunktion. Ihre Vorgesetzten sind in der Regel Absolventen einer universitären Hochschule, die nicht selten kein Chemiestudium absolviert haben.

 
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