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Stellungsnahme zur geplanten Aufgabe des Studiengangs Chemie und Biologische Chemie an der ZHW: Brief an die Geschäftsleitung Zürcher Fachhochschule

Geschäftsleitung Zürcher Fachhochschule
Frau Regierungsrätin Regine Aeppli
Vorsteherin der Bildungsdirektion
Walchetor
8090 Zürich

Richterswil, 5. Dezember 2005

Chemiestudiengang an der Zürcher Fachhochschule

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin Aeppli

Der SVC ist bereits mehrmals an Sie gelangt, um kritische Punkte, welche die Zukunft der Chemie an der ZFH betreffen, besprechen zu können.

Der SVC möchte mit diesem Schreiben an Sie dazu beitragen, Entscheidungsgrundlagen zu erörtern und nicht um weiteres Öl ins Feuer zu giessen. Die schon länger dauernde Ungewissheit über die Zukunft der Chemieausbildung an der ZFH beunruhigt den SVC zutiefst. Wir wissen, dass die Situation gewichtige Wirtschaftsverbände und Experten gleichermassen beunruhigt. Diese gegenwärtige Ungewissheit schadet nicht nur der Chemischen Industrie und den Studenten, sondern ganz besonders der ZFH. Wir fragen uns, auf welcher Grundlage die chemische Industrie in der gegenwärtigen Situation mit der ZFH längerfristige Projekte in der angewandten Forschung wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben abschliessen kann.

Wieso beunruhigt uns die gegenwärtige Situation? Erlauben Sie uns einfach, ein paar volkswirtschaftliche Fakten aufzuzeigen.

Der Kanton Zürich ist mit seinen Arbeitgebern der wichtigste Kanton für Chemiker FH geworden. Ein Viertel aller Chemiker FH in der Schweiz finden ihr Einkommen im Kt. Zürich.

Die Chemie ist für die Schweizer Volkswirtschaft viel wichtiger als für irgendeinen anderen europäischen Staat. Die Chemie trägt volle fünf Prozent zum BSP bei; im europäischen Ausland sind es etwa zwei Prozent.

Es fehlen der Schweiz pro Jahr 40 Chemiker FH. Diese Zahlen sind über die Wirtschaftszyklen gerechnet (Beilage).

Die Frage, wie der Kt. Zürich hier seine Schlüsselrolle spielen soll, stellt sich zwingend. Es kann kaum im Interesse der Schweizer Volkswirtschaft liegen, den in der Schweiz wichtigsten FH - Ausbildungsplatz in Chemie zu demontieren und sich auf den Import von Fachkräften zu verlassen.

Wir glauben, dass die verfahrene Situation nur unter Beizug von Experten gelöst werden kann. Nur Experten können eine klare Entscheidungsgrundlage schaffen. Der SVC will nicht neue Budgets erstellen oder verlierende und neue potentielle Synergien einander gegenüber stellen. Wir betrachten uns aber als Experten, was die Anforderungen an ein Chemiestudium und an eine funktionierende Chemieabteilung an einer FH betrifft. So hat der SVC am Masterstudiengang in Chemie an der ZFH mitgearbeitet.

Auch eine eventuell umgebaute Chemie und life Science geschehen immer noch im Labor. Auch in life Science wird gekocht, destilliert, filtriert, analysiert und rektifiziert, nur um einige Verfahren zu nennen. Es werden Lösungsmittel und Chemikalien verschiedenster Klassifikationen eingesetzt. Ein Chemiker FH muss diese Arbeiten und den Umgang mit den betreffenden Chemikalien beherrschen. Er muss dies studieren. Dazu braucht es neben den Studienplätze auch die verschiedensten Labors und halbindustrielle Anlagen.

Es ist dem SVC nicht erklärlich, wie dies mit den budgetierten Zahlen und ohne gravierenden Leistungsverlust erreicht werden soll. Das Fachhochschulgesetz verpflichtet die Fachhochschulen, angewandte Forschung zu betreiben. Der SVC glaubt nicht, dass die für den Umzug der Chemie budgetierten Zahlen eine Ausstattung ermöglichen, welche die Erfüllung der gesetzlichen Vorlagen erlaubt.

Was kann der SVC nach Ihrer Meinung für den Regierungsrat des Kt. Zürich tun, damit die Gutachten der Experten zur Entscheidungsgrundlage werden können? Als Verband der diplomierten Chemiker FH in der Schweiz sind wir sehr besorgt. Gerne werden wird über weitere Schritte von Seiten der Regierung des Kt. Zürich informiert. Unsere Gesprächsbereitschaft haben wir Ihnen bereits früher angeboten. Wir erwarten gerne ihren baldigen Bescheid und grüssen Sie herzlich.

Christof Jud
Präsident SVC

Beilage: The Contribution of the Chemical Industry and the Chemiker FH to the Swiss Economy
p.s. Kopien dieses Briefes werden u. U. zu Arbeitszwecken weiteren Parteien zugänglich gemacht.

 
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